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Zeitungsbericht: Preisentwicklung Edelstahl - Quelle: Dow Jones (www.djnewsletters.de) - 27.07.2006

„Erschreckende” Lage am Edelstahlmarkt

FRANKFURT (Dow Jones) -- Die Lage am Edelstahlmarkt beschreiben Einkäufer zurzeit als „schlimm” und „erschreckend”. Sowohl die Preise als auch die Lieferzeiten erhöhten sich weiter. Allerdings ließen sich die Preise nicht absichern, klagte ein Marktteilnehmer. Man könne nur noch Mengen planen, es sei aber zugleich unsicher, ob man auch die bestellte Menge erhalte. Für das vierte Quartal gehen die von Dow Jones Stahl Monitor befragten Einkäufer von einer Preiserhöhung von 240 bzw. 250 EUR/t Edelstahl aus.

Auch im ersten Halbjahr 2007 rechnen die Marktteilnehmer mit weiter anziehenden Preisen. „Eine Entspannung wird so schnell nicht kommen”, hieß es. Die Werke hätten bereits angedeutet, dass es noch einmal eine Steigerung geben werde. Mit einem Platzen der Preisblase sei vorerst nicht zu rechnen, denn „der Verbrauch ist da”, das Material fließe nicht in die Lagerbestände. Allerdings solle, so war am Markt zu hören, ein Kunde eine bestellte Menge an Outokumpu zurückgegeben haben. Doch bevor die Häufung derartiger Vorgänge plötzlich zu einem Überangebot am Markt führen könnte, müsse erst einmal geprüft und abgewartet werden, ob es sich um einen Einzelfall handele oder die Rückgabe zur Regel werde.

Der Brand bei ThyssenKrupp Nirosta sei nicht allein ausschlaggebend für höhere Preise, sagte ein Einkäufer. Er sei mittlerweile nur noch ein Faktor unter vielen, die für den Preisanstieg verantwortlich sind. Ein Marktteilnehmer geht davon aus, dass sich der Brand eher in Verzögerungen äußere, da ThyssenKrupp umschichten und die Warmbänder aus Bochum nun statt nach Krefeld nach Italien oder Shanghai transportiert müsse. Diese Transportzeiten müsse man zu den bisherigen Lieferzeiten hinzurechen. Zudem, so hieß es, solle sich ThyssenKrupp aber auch in Gesprächen mit Wettbewerbern wie der spanischen Acerinox befinden, um Engpässe zu überbrücken.

Die Lieferzeiten hätten sich zum Teil um drei Monate verlängert. Und wer nicht vorrätige Produkte bestelle, müsse mit einer Lieferzeit von sechs Monaten rechnen. Die Preisentwicklung werde zudem noch einmal durch die seit Anfang Juli deutlich gestiegenen Nickelpreise angeheizt. Bei den Legierungen habe vor allem Messing erheblich angezogen.

Besonders empört zeigte sich ein Einkäufer, dass Outokumpu zum 15. Juli die Zahlungsbedingungen geändert und den in Deutschland in Verbindung mit einem kurzen Zahlungsziel üblichen Skontoabzug auf 1% von zuvor 2% reduziert habe. Ziel des finnischen Konzerns sei es, in Europa vergleichbare Preise und gleiche Zahlungsbedingungen zu etablieren. Gegen die Änderung der Zahlungsbedingungen wollen sich die deutschen Rohrhersteller in einer konzertierten Aktion wehren, denn damit werde man im Vergleich zu ausländischen Wettbewerbern erheblich benachteiligt. Denn in Italien beispielsweise hätten sich lange Zahlungsziele von 120 Tagen etabliert, die der Refinanzierung der Unternehmen dienten. Diese bezahlten so ihr Vormaterial über Lieferantenkredite. Der Einkäufer glaubt nicht, dass die Werke dort plötzlich kürzere Zahlungsziele durchsetzen können, was eine völlige Systemveränderung bedeuten würde: „Denn eine Branche lässt sich nicht so einfach umkrempeln.” Daher seien die deutschen Verarbeiter „massiv” benachteiligt, wenn sich die neuen Ziele im Ausland nicht durchsetzen ließen.



© Gastropolis24 2010


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